Windows 10 und Firewire (IEEE 1394) – MiniDV-Kamera per Firewire

Firewire wurde in der Vergangenheit insbesondere für Video- und Audioübertragungen zwischen den Aufnahmegeräten und dem PC eingesetzt. Auch externe Festplatten oder DVD-Brenner gab es für diese Anschlussart.

Canon Camcorder MV970 mit MiniDV-KassetteSchon etwas länger lag meine Canon MiniDV-Kamera in der Versenkung. Dementsprechend lange habe ich auch meine Firewire-PCI-Karte nicht mehr benutzt. Deshalb ist mir wohl entgangen, dass diese seit dem Upgrade auf Windows 10 gar nicht mehr vom Betriebssystem erkannt wurde. Da ich die Kamera nun verkaufe, wollte ich noch ein paar letzte Videos überspielen bevor ich die Kassetten vernichte. Dies hätte ich wohl vor dem Upgrade machen sollen. Aber wer kann ahnen das Firewire unter Windows 10 so ein Krampf ist… Aber gibt es noch eine Möglichkeit Firewire-Geräte in einem solchen Fall zu nutzen?

Die Lösung in Kürze:

In den meisten Fällen sollte es an dem unter Windows 10 nicht mehr integrierten Legacy-Treiber für die Firewire- bzw. IEEE 1394 liegen, welchen man manuell installieren kann. Den Treiber findet man hier, man muss die benötigte Datei Legacy1394.inf aber manuell installieren. Dadurch lassen sich Firewire-Karten oder Onboard-Anschlüsse wieder nutzen ohne einen speziellen Treiber des Herstellers, den es für Windows 10 vermulich oftmals auch nicht gibt, zu benötigen.

 

IEEE 1394 bzw. Firewire-Treiber unter Windows 10 installieren:

Im Geräte-Manager sah es bzgl. des Firwire-Anschlusses schon mal nicht so gut aus:

Firewire-Karte im Geräte-Manager nicht korrekt erkanntFirewire-Karte im Geräte-Manager Code 10

 

Da Microsoft ab Windows 8 wohl den „Firewire Legacy“-Treiber aus dem System entfernt hat (wie ich in einem Forenbeitrag las), mit dem alte Karten wohl funktionieren sollen, muss man sich diesen also erst einmal hier downloaden: https://support.microsoft.com/en-us/kb/2970191

Auf der Seite ist zwar die Rede von Windows 8 bzw. Windows 8.1 aber davon braucht man sich nicht irritieren zu lassen. Der Treiber funktioniert auch noch unter Windows 10. Hier muss man nun passend zur verwendeten Windows-Version die 32- oder 64-Bit Version des Treibers herunterladen:

Download des Treibers in 64 Bit

Das heruntergeladene .msi-File muss man nun einfach installieren. Die Installation ist relativ schnell durch und es gibt keine Rückmeldung des Setups. Das ist nicht sehr gut gelöst und es ist erst einmal keinerlei Änderung sichtbar. Man hat auch noch nicht wirklich den Treiber durch diese Prozedur installiert. Wieso auch?! Das würde ja viel zu viel Sinn ergeben.

Nach der Installation dieses Pakets muss man stattdessen, wie im KB-Artikel angegeben, manuell die Datei Legacy1394.inf aus dem Programmverzeichnis installieren. Hierzu navigiert man im Explorer zu der Datei im Verzeichnis „C:\Programme (x86)\1394 OHCI Compliant Controller (Legacy)\x64_driver„, macht einen Rechtsklick und klickt im Kontextmenü auf die Option „Installieren„:

 

inf-Datei des Treibers manuell installieren

Interessanterweise sind im 64-Bit-Setup sowohl die 32- wie auch die 64 Bit-Version enthalten und es wird trotzdem im x86-Programmordner installiert.

 

Manuelle Installation:

Danach kann man den Legacy-Treiber bei einer „manuellen“ Treiber-Installation auswählen. Hierzu geht man wie folgt vor:

1. Man öffnet den Geräte-Manager und macht einen Rechtsklick auf den Eintrag des IEEE-1394-Adapters und klcikt auf „Treiber aktualisieren“:

Treiber aktualisieren im Geräte-Manager

2. Im nächsten Schritt muss man die manuelle Treibersuche auswählen:

Manuelle Treibersuche durchführen

3. Danach öffnet man die Liste verfügbarer Treiber und wählt dort als Gerätetyp „IEEE 1394 Hostcontroller“ aus:

die Liste der verfügbaren Geräte auswählen

den Geräteyp auswählen

4. Aus der Liste der zur Verfügung stehenden Geräte und Treiber wählt man den „1394 OHCI Compliant Host Controller (Legacy)“ aus und fährt fort:

den Legacy-Treiber in der Liste der verfügbaren Geräte auswählen

5. Sollte eine Warnung bzgl. des Treibers auftauchen muss man diese noch bestätigen:

Warnung bzgl. des Treiber-Updates

 

Nach der Installation ist bei mir allerdings keine Besserung in Sicht gewesen und das Gerät stand nach wie vor mit einem „Code 10“-Fehler nicht zur Verfügung. Laut diesem Fehler war es Windows nicht möglich das Gerät zu starten:

 

Code 10 Fehler trotz installiertem Legacy-Treiber

 

Firewire Code 10-Fehler beheben

Also habe ich nach der mehr oder weniger erfolgreichen Installation des Legacy-Treibers zum „Code 10“ recherchiert und folgenden interessanten Artikel zu dieser Problematik (auch bei anderen Geräten) gefunden:
http://www.deskmodder.de/wiki/index.php/Code_10_Fehlermeldung_Dieses_Ger%C3%A4t_kann_nicht_gestartet_werden

Die nötigen Befehle für die Kommandozeile um den „Code 10“-Fehler durch das Löschen entsprechender Registry-Einträge loszuwerden habe ich hier zusammengefasst:

Alternativ kann man die Einträge im Registry-Pfad „HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Control\Class\{6BDD1FC1-810F-11D0-BEC7-08002BE2092F}“ natürlich auch über den Registry-Editor löschen:

 



W E R B U N G

Da es schon recht spät gewesen ist als ich das alles gemacht hatte, habe ich leider direkt versucht den im Artikel beschriebenen Schlüssel in der Registry komplett zu löschen und überlesen, dass dies nur für die Unterpunkte „UpperFilters“ und „LowerFilters“ gemacht werden sollte. Der gesamte Schlüssel ließ sich allerdings gar nicht löschen:

 

Fehler beim Löschen des Registry-Schlüssels

 

Also habe ich einfach einzeln alle Unterpunkte gelöscht. Ob es reicht nur „UpperFilter“ und „LowerFilter“ zu löschen kann ich nun leider nicht mehr genau nachvollziehen. Nach einem Rechner-Neustart sah es im Geräte-Manager aber schon etwas besser aus:

 

falscher Treiber für die Firewire-Karte

 

Die Bezeichnung „Unbekannt“ taucht vermutlich nur auf, weil ich Honk alle Unterpunkte gelöscht habe. Allerdings verschwand der „Code 10“-Fehler.

Die Kamera ließ sich aber noch immer nicht verwenden. Dies lag aber daran, dass Windows automatisch wieder den falschen Treiber, nämlich den für den „VIA 1394-Hostcontroller“ und nicht den Legacy-Treiber, installiert hat. Also habe ich diesen noch einmal durch den Legacy-Treiber ersetzt, den Rechner neu gestartet und voilà:

 

erkannter Canon-Camcorder per Firewire

Danach ließ sich die Videokamera wie unter Windows 7 in Adobe Premiere ansteuern. Zwar ist der Controller noch mit einem Fragezeichen-Symbol markiert, was in meinem Fall aber keine Auswirkungen hatte.

 

USB zu Firewire Kabel? Eher unbrauchbar?

Man findet auch einige „Firewire-To-USB-Adapter“-Kabel im Netz bzw. auf Amazon, aber laut der überwiegenden Meinung der Käufer gilt hier wohl eher „Finger weg“. Das Kabel scheint eher ein Produkt für Wish zu sein, da die Funktionalität gar nicht gegeben ist.

Es gibt auch noch Kabel für bestimmte Kameramodelle, beispielsweise von Sony, die dann statt Firewire einen USB-Anschluss aufweisen. Hier sind die Rezensionen aber auch geteilter Meinung. Es kann funktionieren, muss es aber nicht. Unter Linux soll dies vor allem problematisch sein.

Auch wenn es verlockend klingt eine Karte einzusparen, falls man keine hat und auch keine einbauen will, so lässt sich von diesen Adapter-Kabeln leider doch nur abraten. Ein paar Euro mehr für eine vernünftige PCI-Karte sollten es dann doch schon sein wenn man noch einmal Firewire-Anschlüsse benötigt.

 

Tools zum Überspielen von Videos per Firewire:

Ich habe die Videos damals in Adobe Premiere auf den Rechner überspielt. Hierzu muss man die Kamera mit dem Rechner verbinden und unter Datei -> Aufnehmen dann die angeschlossene Kamera steuern.

In meinem Fall ist kein Gerät angeschlossen, weshalb hier nichts weiter zu sehen ist:

der Aufnahmemodus in Adobe Premiere

 

Free Mini DV Capture Software:

eine MiniDV-KassetteUm ein paar alte Mini DV-Kassetten zu überspielen möchte mit Sicherheit nicht jeder eine Software wie Adobe Premiere anschaffen, die rein für diese Aufgabe zu teuer und zu umfangreich ist.

Als Alternativen für Adobe Premiere habe ich in einigen Forenbeiträgen Empfehlungen für Freeware gefunden, die auch in der Lage sein soll die Kamera anzusteuern und eine Aufnahme durchzuführen:

Die Software Scenalyzer habe ich selbst schon einmal erfolgreich genutzt:

Überspielen von MiniDV-Kassetten mit Scenalyzer

 

Firewire unter Windows und Apple – Die Geschichte der Schnittstelle

Da Firewire eine von Apple entwickelte Schnittstelle ist, verwundert es nicht, dass diese aus der Welt des PC eher verschwindet. Hieran ist wohl vor allem Steve Jobs schuld, welcher als Lizenzgebühr anfangs einen Dollar pro Anschluss verlangte. Wurden mehrere Firewall-Ports in einem Rechner integriert kostete dies für die Hersteller gleich mehrere Dollar!

Somit ist es kein Wunder, dass sich Hersteller wie Intel dann entschieden Firewire nicht mehr verbauen zu wollen. Auch nachträgliche Preissenkungen dieser Lizenzgebühren konnten das Blatt nicht mehr wenden und auf dem PC-Markt setzte sich dann USB als Schnittstelle durch.

Aber auch beim Initiator Apple ist dieser Anschluss nicht mehr standardmäßig in den aktuellen Geräten verbaut. Bereits 2008 wurde ein MacBook ohne Firewire-Anschlüsse verkauft und im Jahr 2012 bekam der Mac zum letzten Mal Firewire-Anschlüsse. Zumindest mit einem Adapter von Thunderbolt zu Firewire wird es aber ohne Treiberprobleme unterstützt die alten Firewire-Geräte weiter zu nutzen.

Trotzdem wurde anfangs insbesondere für Audio- und Videozwecke die Firewire-Schnittstelle gerne genutzt, da diese zu Anfang bei Echtzeitanwendungen wie dem Streaming von Bandlaufwerken dem Konkurrenten USB überlegen war, weil sie im Gegensatz zu USB nicht host-basiert arbeitet. Aber selbst im Profi-Bereich ist die Schnittstelle heutztage „tot“ und man wird wohl keine aktuelle Hardware mehr finden bei der auf Firewire als Schnittstelle gesetzt wird.

 

Empfehlung

Das heißt für die Neuanschaffung eines aktuellen Audiointerfaces oder Video-Equipments spielt Firewire bzw. IEEE-1394 absolut keine Rolle mehr.

Lediglich wenn man noch altes Equipment hat, das man unbedingt weiter nutzen möchte, sollte man sich noch mit Firewire beschäftigen. Selbst mein mittlerweile 10 Jahre altes Modell des Audiointerfaces POD UX2 von Line6 gibt es nur einen USB-Anschluss.

Wenn man nicht wirklich hochwertiges Equipment zum Filmen hat, dann macht wohl heutzutage die Nutzung eines aktuellen Handys zum Filmen mehr Sinn als an der alten Firewire-Hardware festzuhalten. Die Nutzung dieser Hardware sollte man dann wohl nur auf das Überspielen der alten Videos beschränken.

 

Alternative um alte Videos zu digitlaisieren

Aufnehmen alter VHS-Kassetten mit KameraSofern es sich nicht um viel Videomaterial handelt, kann es sogar eine Option sein das Video einfach mit dem Handy abzufilmen. Lässt sich die Videokamera direkt an einen Fernseher anschließen kann dies eine Option sein, bevor man sich eine Firewire-Karte kauft um nur drei Mini DV-Kassetten zu überspielen.

Dies hatte ich in der Vergangenheit mit VHS-Kassetten gemacht, da ich keinen Adapter kaufen wollte und keinen großen Aufwand zu betreiben nur um ein paar qualitativ sowieso unterirdische Familienvideos zu digitalisieren. Witzigerweise hatte ich für diese Videoaufnahmen damals die mittlerweile lange verkaufte Mini DV Videokamera genutzt und den Ton vom Videorekorder über das Klinkenkabel am Notebook abgegriffen.

 

2 Kommentare

  1. Avatar
    Petra Dezember 31, 2020 4:52 pm  Antworten

    Hallo, und was mache ich, wenn der richtige Treiber (Legacy) zwar installiert ist, der Windows 10 PC aber trotzdem kein Bildverarbeitungsgerät anzeigt?

    Dabei soll die gerade wegen dieses Problems ausgetauscht Firewire Karte (QNINE Firewire Karte, PCIe Firewire Adapter für Windows 10) eigentlich sogar ohne Treiberinstallation funktionieren. Nach Einbau sah es auch erst einmal gut aus – der angeschlossene Camcorder wurde angezeit. Ein paar Minuten später war er dann wieder weg und nichts ging.

    Ich bin inzwischen ziemlich ratlos.

    • Tobias Langner
      Tobias Langner Dezember 31, 2020 5:41 pm  Antworten

      Hallo Petra,

      leider habe ich keine Firewire-Hardware mehr vorliegen. Da es in den letzten Jahren viele Windows 10 Updates gegeben hat, könnte ich mir vorstellen dass sich dort vielleicht wieder etwas grundsätzlich geändert hat.

      Eine kurze Recherche in den Amazon-Rezensionen zu QNINE-Karten hat z. B. folgendes ergeben:

      Beim Installieren des legacy Treiber stürzt der PC ab. Diverse Video Programme erkennen die Karte nicht. Auch verhindert die Karte ein Update auf Windows 10 Version 1903. Das Update wird mit einer Fehlermeldung abgebrochen. Erst nachdem ich die Firewirekarte entfernt hatte, konnte ich auf 1903 updaten.

      Quelle: https://www.amazon.de/QNINE-Firewire-Adapter-Windows-Controller/dp/B07LF4QSQB

      Je nach Version deiner Windows 10-Installation könnte ich mir solche Probleme als Ursache vorstellen.

      Leider würde mir da adhoc auch nichts für einfallen.

      Soll die Karte dauerhaft verwendet werden? Wenn ja wäre das blöd. Wenn nein würde ich temporär eine zweite Festplatte nehmen und eine alte Windows 10-Version oder besser Windows 7 drauf installieren und damit alles überspielen und das dann wieder platt machen.

      mfg
      Tobias

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