Windows XP-Mode unter Windows 10 nutzen?

Wer kennt es nicht, aus irgendeinem Grund muss eine uralte Software mitgeschleppt oder wieder ausgegraben werden und diese läuft nicht unter Windows 10. Die Computer sind aber, so wie es sein sollte, schon auf Windows 10 umgestellt. Dann fällt es einem wieder ein: Es gab doch mal extra einen Windows-XP-Modus für so etwas. Könnte man den nicht wieder benutzen?

Was ist der Windows XP-Mode?

Unter Windows 7 gab es die Möglichkeit Windows XP als fertige virtuelle Maschine herunterzuladen und für alte unter Windows 7 inkompatible Anwendungen zu nutzen. Nach Durchlaufen des Setups befand sich der XP-Modus im Startmenü und konnte einfach gestartet werden.

Das Setup für den Virtual PC bzw. den XP-Mode bekommt man hier immer noch offiziell bei Microsoft zum Download:
https://www.microsoft.com/de-de/download/details.aspx?id=3702
https://www.microsoft.com/de-de/download/details.aspx?id=8002

 

Beim Downloaden des XP-Modes hat man die Auswahl zwischen der Variante mit MediaPlayer oder ohne („N“ für „not with Media Player“):

 

 

Warum läuft der nicht mehr unter Windows 10?

Als Grundlage für diesen XP-Modus hatte Microsoft den mittlerweile nicht mehr geläufigen „Virtual PC“ als Virtualisierungssoftware genutzt. Hierbei handelt es sich um eines der vielen Produkte/Unternehmen die durch Microsoft aufgekauft wurden und dann selber weiterentwickelt und in Windows integriert worden sind. Wer den Virtual PC mal abseits des XP-Modus genutzt hat weiß, dass dieser gegen die Konkurrenz keine Chance hatte. Wohl aus diesem Grund hat Microsoft HyperV gefördert und auch ab Windows 8, wenn ich mich recht erinnere, im Client-Betriebssystem integriert. Hier wurde gleichzeitig die Unterstützung für den Virtual PC komplett fallen gelassen.

 

Wie kann man den XP-Mode trotzdem nutzen?

Die Lösung ist ganz einfach: Man muss sich selber eine entsprechende virtuelle Maschine aufsetzen. Grundsätzlich hat man hier naürlich mehrere Optionen zur Auswahl.

Wenn es vom Rechner unterstützt wird kann man der Einfachheit halber das sowieso schon vorhandene Hyper-V von Microsoft benutzen. Mittlerweile ist dieses auch ganz gut ausgereift und kann für eine einfache virtuelle Maschine ohne Bedenken genutzt werden. Aber es ist etwas manuelle Arbeit nötig, da Windows XP offiziell nicht im aktuellen Hyper-V unterstützt wird. Von Microsoft wurde hier wirklich alles aufs Abstellgleiß geschiben. Alternativ bieten sich natürlich VMWare, welches aber defintiv Geld kostet, oder das kostenlose VirtualBox an. VirtualBox bietet zudem eine ganze Reihe netter Features wie dem nahtlosen Modus und die Möglichkeit USB-Geräte durchzuschleusen.

Zur Installation kann man entweder einen eigenen Windows XP-Datenträger nutzen, oder sich bei dem Setup für den ehemaligen Windows XP-Mode bedienen.

  • Hierzu lädt man das Setup herunter und statt dieses auszuführen entpackt man es einfach mit 7zip. Danach entpackt man im Unterordner „sources“ ebenfalls die Datei „xpm“ ohne Endung.
  • Dadurch erhält man das fertige Windows XP-Image als virtuelle Festplatte (VHD). Die Datei heißt „VirtualXPVHD“ und muss noch um die Endung .vhd ergänzt werden.
  • Mehr braucht man aus diesem Ordner nun auch nicht und man kann den ganzen Rest entsorgen.

 

Vorgehen unter Hyper-V:

  • neue VM erstellen
  • VM-Generation: Generation 1 wählen (Generation 2 ist nur für 64 Bit Systeme nutzbar!)
  • Prozessor: 2 Cores sollte man schon nutzen
  • Speicher: mind. 512 MB Ram sollten es für ein flüssig laufendes Windows XP schon sein
  • Festplatte: Virtuelle Festplatte verbinden, keine neue erstellen
  • Netzwerk: für Windows XP wird eine „Legacy“-Netzwerkkarte benötigt, die „neue“ Netzwerkkarte kann man löschen
  • Es müssen manuell die alten Hyper-V-Integration-Tools installiert werden, anonsten gibt es Probleme mit der Maus
  • Es muss noch aktiviert werden, was aufgrund der abgeschalteten Aktivierungsserver ein kleines Problem darstellt

 

Vorgehen unter VirtualBox:

  • neue VM erstellen
  • gleiche Systemressourcen wie unter Hyper-V konfigurieren
  • VHD als Festplatte angeben
  • VirtualBox-GuestAddons installieren

 

Hierzu folgen noch ausführlichere Anleitungen!

Gleiches gilt natürlich auch für Windows 7, welches man auch in einer virtuellen Maschine nutzen könnte.

 

Wie sieht es denn mit der Windows-Lizenz für die virtuelle Maschine aus?

Tja, im Gegensatz zu Windows 7, wo der XP-Mode „inklusive“ gewesen ist, hat man hier unter Windows 10 das Nachsehen. Hier ist eine eigene Windows XP-Lizenz nötig, die dann auch nur in der virtuellen Maschine verwendet wird. Allerdings haben wahrscheinlich die meisten Personen oder Firmen noch genügend alte Lizenzen herumfliegen, sodass dies eher weniger ein Problem sein sollte. Wenn man Windows 7 virtualisiert und man ein upgegradetes Windows 7 mit der „kostenlosen“ Windows 10-Lizenz verwendet, kann man hier ebenfalls nicht die ursprüngliche Windows 7-Lizenz verwenden, da diese schon für das Hauptbetriebssystem in Benutzung ist.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass für das Betriebssystem in der virtuellen Maschine auf jeden Fall eine eigene Lizenz nötig wird, da diese als eigenständiger Computer gilt.

Interessant ist, dass dem XP-Mode eine Lizenz beiliegt. Diese befindet sich in der Datei „KEY“ im entpackten Setup und kann einfach mit einem Editor geöffnet werden. Laut einiger PC-Fachzeitschriften solle man ruhig diese für seine XP-VM verwenden. Ob dies wirklich lizenzkonform ist, schließlich war diese für den XP-Mode unter Windows 7 gedacht und wird auch nur durch das Entpacken des Setups sichtbar für den Endanwender, ist meiner Meinung nach zumindest fragwürdig und Interpretationssache. Denn durch die selbst aufgesetzte VM in Hyper-V oder VirtualBox nutzt man diese ja nicht im ursprünglichen Produkt.

Allerdings gilt hier wohl, auch wenn es Grauzone ist, zu bedenken dass Windows XP ein uraltes Produkt ist und Microsoft bereits durch das Abschalten der Aktivierungsserver mehr oder weniger signalisiert hat kein Interesse mehr an diesem Produkt zu haben. Man wird wahrscheinlich keine solche Aussage von M$ zu hören bekommen, aber es ist davon auszugehen dass ihnen egal ist was man mit XP noch so anstellt…

 

 

2 Kommentare

  1. Avatar
    Klaus-Peter Weber Juni 30, 2021 1:37 pm  Antworten

    Das Setup für den Virtual PC bzw. den XP-Mode bekommt man hier immer noch offiziell bei Microsoft zum Download: „We’re sorry, this download is no longer available.“ ist das Ergebnis, wenn man den o.g. Link verwendet. Was nun ?

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