Überqualifiziert und unterbezahlt in der IT-Branche?

Dieser Artikel ist inhaltlich das Gegenstück zu meinem letzten Artikel. Tatsächlich bin ich der Meinung, dass man, wenn man gewisse Eigenschaften mitbringt, eher immer überqualifiziert und unterbezahlt ist für das was man als seinen „Job“ bezeichnet und tägich auf der Arbeit so macht.

Meistens ist der Job auf die Nutzung bestimmter Fähigkeiten eingeschränkt. Ein Programmierer soll das Programmieren was ihm vordiktiert worden ist, ein System-Admin soll die Systeme am Laufen halten, der Designer soll sich um das Aussehen der Anwendung oder Webseite kümmern, usw.

Wenn man über die Fähigkeit verfügt sich selber „Produkte“ auszudenken und auch zu realisieren, sei es Software die etwas vereinfacht, oder kreative Problemlösungen durch die Kombination verschiedener Technologien zu schaffen, dann verfügt man über recht kostbare Eigenschaften, die durch einen Arbeitgeber eher nicht bezahlt werden können. Wenn man nicht nur das umsetzt was einem gesagt wird, sondern auch darüber „hinausgehen“ kann, dann unterscheidet einen das von den üblichen Angestellten, die wirklich nur 8-to-5 arbeiten können und auch nicht die Lust haben wirklich weiter zu kommen.

Auch die Zeit die man sich neben der eigentlichen Arbeit mit Technologien beschäftigt, deren angeeignetes Wissen man dann auch für den Arbeitgeber kreativ einsetzen kann, wird einem nicht bezahlt. Sobald man viel Freizeit mit neuen Technolgien verbringt ist man also eigentlich schon unterbezahlt, wenn man einen normalen Job hat und für geleistete Arbeitsstunden bezahlt wird. Jetzt mag man zwar sagen, dass sei ja privates Vergnügen, aber einen erheblichen Anteil an Problemen auf der Arbeit konnte ich bisher recht schnell lösen, weil ich mich mit den Technologien schon einmal zu Hause beschäftigt habe oder schon mal etwas in der Richtung, nur für einen ganz anderen Einsatzweck vorgesehen, programmiert/zusammengestellt hatte und es auf der Arbeit einsetzen konnte. Diese „Transfer“-Leistung wird einem nicht bezahlt.

Was ist die einzige Lösung? Leider wird man mit einem normalen Job nicht weit kommen. Der einzige Ausweg ist meiner Meinung nach die Zügel selbst in die Hand zu nehmen und selbständig zu werden. Damit meine ich nicht unbedingt, dass man Auftragsarbeit für die verschiedensten Kunden annehmen sollte. Man könnte sich z. B. auf eine Branche, vielleicht sogar die in welcher der aktuelle Arbeitgeber tätig ist, spezialisieren. Schließlich hat man bei diesem bisher seine kreativen Lösungen umgesetzt, die wahrscheinlich nicht nur für diesen interessant oder eine erhebliche Arbeitserleichterung sind. Wieso für ein paar Tausend Euro im Monat sein Wissen bei einer Bezahlung nach Stunden „vergeuden“, wenn man auch eine Software/Lösung an 10, 100, vllt. 1000 oder mehr Kunden für einen x-fachen Betrag verkaufen kann?

Klar kann man nun sagen, dass sei unmöglich. Aber dann würde es Firmen wie Microsoft, SAP oder jedes Unternehmen das eine branchen-spezifische Anwendung vertreibt wohl nicht geben 😉

 

Tobias Langner

Tobias Langner

Ich arbeite seit mehreren Jahren als Software-Release-Manager, zuvor als IT-Administrator, bin ausgebildeter Fachinformatiker für Systemintegration und Studium-"Pausierer" an der FernUni Hagen. Achtung: Für die Richtigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen, Skripte, etc. übernehme ich keine Gewähr. Deren Nutzung geschieht ausdrücklich auf eigene Gefahr!

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