Review: E-Bike von Zündapp / Prophete

Vor etwas mehr als 3,5 Jahren haben wir für meine Frau damals mangels Führerschein ein E-Bike angeschafft, damit sie zu ihrer neuen Arbeitsstelle fahren konnte. Seit über einem Jahr nutze ich dieses Rad nun, da ihre Arbeitsstelle nun wesentlich weiter als meine entfernt ist und ein Führerschein nun vorhanden ist. Recht ahnungslos haben wir einfach ein günstiges Angebot bei Real online über den Shop bestellt. Das Rad ist mittlerweile nach den Jahren ziemlich durch, weshalb ich dies hier nun näher vorstellen möchte.

 

Anschaffung

„Günstig“ ist bei einem E-Bike natürlich relativ. Das Teil hat trotzdem über 1000€ gekostet, war aber auch im Angebot. Aber wenn man sich die Preise mal so ansieht, dann merkt man schnell, dass es kaum ein Limit nach oben gibt. Es gab aber ordentlich Payback-Punkte 😀

Die Onlinebestellung war wie gewohnt easy und, ich glaube, eine oder zwei Wochen nach der Bestellung wurde das Rad geliefert.

 

Ausstattung

Von der Ausstattung her konnte man, gerade als Fahrrad-Unwissender, nicht wirklich meckern. Für den Preis verfügte das Rad über folgende Merkmale:

  • zwei herausnehmbare Akkus von Samsung (SDI)
  • Vorder- und Hinterradbremse mit V-Brakes / Felgenbremsen
  • Rücktrittbremse
  • 7 Gang-Shimano-Nabenschaltung
  • Gepäckträger
  • eine Gepäcktasche
  • einen „hässlichen“ Fahrradkorb, den wir sofort abgemacht haben
  • verschiedene Unterstützungsstufen des Motors
  • Bordcomputer mit Geschwindigkeitsanzeige, Kilometeranzeige, etc.
  • eine Anfahrhilfe
  • einen Lichtsensor, durch den automatisch das Licht eingeschaltet wird wie im Auto (eigentlich ziemlicher Quatsch und Schnickschnack den keine Sau braucht)

 

Verarbeitung

Die Verarbeitung ist billig. Das merkt man erst so richtig, wenn man mal was reparieren muss oder die Bremsen tauscht. Von vielen Experten wird vor diesen Supermarkt-E-Bikes, wahrscheinlich zu recht, wegen gefährlicher Sicherheitsmängel gewarnt. Die Bremsen ließen sich z. B. oftmals nicht richtig einstellen, weil das Rad nicht „gerade“ lief. Diese schliffen eine Zeit lang während der Fahrt an der Felge.

 

Service

Tja, den Service kann man so gut wie vergessen. Als wir diesen kontaktieren mussten, ging es immer hin und her und es dauerte Ewigkeiten bis man mal eine Antwort bekam. Wartungen des Fahrrads haben wir durch den Hersteller aber auch keine durchführen lassen und dadurch wahrscheinlich schon recht früh die Garantie eingebüßt.

Wenn man zu einem anderen E-Bike-Händler will, wird man wohl ordentlich Probleme bekommen, da diese an die herstellerspezifische Technik nur dran dürfen wenn sie von dem Hersteller zertifiziert worden sind.

 

Nutzungsverhalten

Das Rad hat mittlerweile ein paar Kilometer hinter sich. Wenn man die Kilometer mitzählt, die mal komplett ohne Akkus gefahren worden sind, dürfte es so bei 8000 km liegen.

In den ersten 1,5 Jahren wurde das Rad für längere tägliche Strecken von meiner Frau benötigt (zwischen 10 und 20 km einfache Strecke). Danach stand es einige Zeit fast nur herum und wurde nur sporadisch für Fahrten zum Arzt oder dergleichen genutzt. Seit nun ca. 1,5 Jahren wurde es von mir wieder für eine tägliche kurze Fahrt zur Arbeit (unter 5 km einfache Strecke) genutzt.

Allerdings bin ich ein eher schlechter Nutzer, der sich nicht wirklich an die Anleitung gehalten hat, sondern den Motor immer direkt mit voller Power betrieben hat 😀

 

Reichweite

Wie auch bei den Verbrauchswerten eines Autos ist die Prognose, wie weit man mit der Akkuladung kommt, natürlich recht „positiv“ berechnet. Solange man davon ausgeht, dass man auf einer völlig ebenen Strecke fährt, es keinen Gegenwind gibt, man nicht dauernd abbremsen und wieder beschleunigen muss kann man diese Reichweite vielleicht wirklich erreichen. In der Praxis kann man die angegebenen Werte im besten Fall halbieren.

 

Abnutzung

In der Nutzungs-Zeit ist natürlich einiges kaputt gegangen und musste getauscht werden oder ist nun in einem mehr oder weniger guten Zustand. Bei einem richtigen E-Bike-Händler war man doch eher überrascht, dass das Rad überhaupt schon so lange genutzt wird. Dort kommen wohl oftmals schon ehemalige Nutzer eines solchen Rades nach einem halben Jahr an.

Als normale Abnutzung würde ich folgendes durchgehen lassen:

  • Schläuche und Reifen kaputt gegangen
  • Bremsen desöfteren getauscht (anfangs reklamiert, da sofort nach ein paar Fahrten stark „abgefahren“)

Dann sind einige Dinge kaputt gegangen, die es vermutlich auch bei einem anderen teureren Rad hätte erwischen können:

  • ein Akku ist kaputt gegangen bei Kälte, die einzelnen Zellen haben wir noch verkauft (der Akku bestand übrigens nur aus einzelnen zusammengepackten Akkus, wie sie in E-Zigaretten zum Einsatz kommen)
  • die Felge des Hinterrads ist kaputt gegangen und auch Speichen sind rausgebrochen
  • in den Bordcomputer ist Wasser reingelaufen, sodass dieser nicht mehr anging und auseinander genommen werden musste – das Display war leider nicht einfach abnehmbar und war somit der Witterung immer ausgesetzt

Dann ist noch eine Sache kaputt gegangen, die vermutlich dem Design geschuldet ist:

  • Bei dem verbliebenen Akku ist, beim Versuch dieses wieder einzusetzen, die „abstehende Ecke“, an welcher der Akku einrastet, kaputt gebrochen. Da sich der Akku dann leider nicht mehr abschließen und hält auch nicht mehr von selber und fällt während der Fahrt evtl. heraus. Deshalb wurde eine kreative Lösung mit Hilfe eines günstigen Spanngummis/Gepäckspanners mit Haken am Gepäcktrager befestigt, damit es wenigstens während der Fahrt gesichert ist.

 

Da wir das Hinterrad inkl. der Nabenschaltung selber gewechselt haben, haben wir es einfach nicht hinbekommen die Gangschaltung wieder zum Laufen zu bringen. Auch nach dem Lesen des Händlerhandbuchs für dieses Fahrradmoddell, was ich online gefunden habe, noch nach dem Schauen von Youtube-Videos, war es mir nicht möglich die Nabenschaltung zu reparieren. Da der Schaltzug nach einiger Zeit „ausgefranzt“ war und sowieso funktionslos war und vermutlich getauscht werden müsste, habe ich diesen einfach komplett abgeknipst. Glücklicherweise kann man mit dem Fahrrad trotzdem noch ganz gut fahren, wenn man den Motor am Limit betreibt 😀

 

Kostenaufstellung

Hier folgt noch eine kleine Kostenaufstellung, was das E-Bike inkl. der angesprochenen „Reparaturen“ an Geld verschlungen hat:

 

Kosten für
-1024 Kauf des Rads
-6 Schlauch, Pumpe
-11 Fahrradschlauch, Kettenspray
-90 3x Schwalbe Fahrradreifen Marathon Plus Tour Smart Guard
-135 Ersatzfelge (Hinterrad/Felge mit Nabe)
-24 Fahhradschlauch, Bremsen
-12 Bremsen
-10 Schläuche
-10 Reinigungsmittel
+36 38 Li-Ionzellen verkauft
+21 kaputte Felge verkauft
-1265 Gesamtkosten

 

Theoretisch kämen noch die Wartungskosten von Prophete hinzu. Diese lägen je nach Saison zwischen 85 und 115 €. Die Qualität des Sericepersonals kann ich nicht beurteilen. Eventuell hätten diese bei den groben Mängeln helfen können, was ich aber aufgrund der gemachten Erfahrung bei der Bestellung von Ersatzteilen bezweifeln möchte. Ebenso komisch wirkt es schon, dass man den entsprechenden Wartungsvertrag nur per Post abschließen kann?!

Natürlich fehlt da noch ein weiterer Kostenfaktor. Nämlich die Stromkosten für das Aufladen des Rades. Das ist natürlich andauernd der Fall, dass man das Fahrrad wieder aufladen muss. An unseren Auswertungen der monatlichen Stromkosten konnte ich allerdings für den Zeitraum nach Anschaffung des E-Bikes keine wirkliche Veränderung sehen. Diese pendeln sich nach wie vor um die 60 € monatlich ein. Es können also eigentlich maximal ein paar Euro sein. Deshalb würde ich fast sagen, dass man die schon fast ignorieren kann. Aber das kommt natürlich auch auf die zurückgelegte Strecke an und wie leer der oder die Akkus dann jeden Tag sind.

 

Alles hat ein Ende

Da das Rad in einem nun nicht mehr allzu guten Zustand ist, haben wir nun ein neues, hochpreisigeres bei einem richtigen E-Bike-Händler gekauft. Hierzu folgt auch noch ein Review.

 

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