Gespräche mit anderen IT-Spezialisten

Es ist immer wieder interessant mit anderen Menschen zu reden, die beruflich auch in der IT unterwegs sind, aber eventuell in ganz anderen Branchen arbeiten. Dabei hört man nämlich meistens genau so abenteuerliche Geschichten aus dem Berufsalltag, wie man sie täglich auch selber erlebt. Die letzte Person mit der ich diesbezüglich gesprochen habe hat es ganz passend ausgedrückt: „Ich dachte immer nur bei uns auf der Arbeit geht es so komisch zu, aber ich bin immer wieder erleichtert, wenn andere mir auch solche merkwürdigen Geschichten erzählen“.

Es sind meistens sehr ähnliche Geschichten. Klassisch sind Projekte die kurz vor knapp erledigt werden müssen und dann letzt endlich doch nicht benötigt werden oder gar nicht umzusetzen sind. Dabei kostet ein Entwickler oder ein Systemintegrator meistens nicht gerade so wenig, als dass es all zu clever ist diese Personen Stunden mit Unsinn verbraten zu lassen und ohne klare Anweisungen zurückzulassen. Vernünftige Planung gibt es aber, zumindest laut all der Gespräche die ich so geführt habe, fast nirgendwo. Als Beispiel kommt mir da eine Software in den Sinn, die irgendwelche Daten aus einer Telefonanlage abfragen sollte. So etwas wird dann verkauft, bevor eine Machbarkeitsstudie durchgeführt wurde. Das Ende vom Lied waren viele verbratene Stunden von mir und einem Entwickler und eine nicht umsetzbare Software. Genauso schön sind irgendwelche Geräte die angeschafft werden und man im absolut letzten Moment auf die Idee kommt der IT-Abteilung Bescheid zu sagen, dass ein (virtueller) Server, ein Extra-WLAN, ein VPN mit irgendeinem komischen Client und und und benötigt wird, anstatt die entsprechenden Personen von Anfang an mit einzubinden.

Ebenfalls schön ist es, wenn sich ein Mitarbeiter in seiner Freizeit etwas wirklich cooles ausdenkt und einen Prototypen programmiert. Dies ist meistens der Anfang vom Ende. Wenn er dann ein kleines Feature seines völlig unfertigen Projektes in der Firma zeigt, dann kommt von der Geschäftsführung oder irgendwelchen Teamleitern neben der Begeisterung folgende Frage „Können wir das ab Montag verkaufen?“. Tja, was soll man darauf antworten. Anscheinend ist den meisten Leuten nicht bekannt, dass man ein Auto schlecht verkaufen könnte, wenn es weder Motor, Bremsen, noch ein Lenkrad hat. Oftmals ist es „Fake it till you make it“ am absoluten Limit, was an Softwareprodukten beim Kunden landet. Beispielsweise wenn jemand nur mal eben eine optisch ansprechende GUI designen sollte und bei dieser zu Demo-Zwecken nur bei der Eingabe weniger Testdaten etwas ausgegeben wird und keinerlei Programmlogik dahinter steckt. Wenn dieser dann einen Bug gemeldet bekommt, weil sein bereits verkauftes Programm nicht richtig funktioniert, kann man nur noch lachen 😀

Dann gibt es da natürlich noch die wunderbar abstrusen Anforderungen und irgendwie ist man immer der Dumme, selbst wenn man versucht dies alles irgendwie zu realisieren. Wie oft soll man das beste Produkt was es am Markt gibt, vom Funktionsumfang her, quasi zum Nulltarif auftreiben? Software für ein IPhone soll geschrieben werden? Testgeräte gibt es aber nicht. Warum sind die Liezenzen für Microsoft so teuer? Gibt es da nicht auch was kostenloses. Die IT gibt so viel Geld aus … aber nur für die Software für die anderen Abteilungen.

Manche Leute können sich diesen Wahnsinn vermutlich gar nicht vorstellen. Da tut es tatsächlich gut, wenn man immer wieder „Mitleidende“ findet oder sich sogar über die eigene Misere noch glücklich schätzen kann 😀

 

Auch wenn diesen Blog nicht all zu viele Menschen lesen (mittlerweile etwas über 1000 im Monat) möchte ich an dieser Stelle doch mal versuchen eine „Blogparade“ all der da draußen unter solchen Problemen leidenden  ITler zu starten. Wenn du keinen Blog hast, kannst du auch einfach hier diesen Artikel kommentieren, ansonsten einfach deinen Artikel hier in den Kommentaren verlinken. Nenne einfach deine „besten“ IT-Momente und beginne deinen Satz mit „IT ist …“, beispielweise:

 

IT ist …

… wenn man das Präsentationsnotebook eine Stunde bevor der Vertriebler ins Flugzeug steigt nach den Worten „das ist irgendwie langsam“ wieder „fit“ machen muss.

… wenn du am letzten Tag vor deinem Urlaub dringend etwas einrichten sollst und es dann in deinen drei Wochen Abwesenheit doch nicht benötigt wird.

… wenn dem Kunden reine Ideen verkauft werden und die Auslieferung in einem Monat zugesagt wird.

… wenn Kabel in einem Fachhandel bestellt, in ein Taxi geschmissen und zum Betrieb gefahren lassen werden müssen, weil keines da ist und der teure Techniker warten muss.

… wenn tausende Euro für etwas ausgegeben werden, was es nicht einmal bis zur Testphase schafft, weil das Konzept schon miserabel gewesen ist.

… wenn du auch für einen Schrank (aus Holz!) zuständig bist, nur weil da ein WLAN-Router drauf steht.

… wenn dir der Anbieter einer Steuerungssoftware sagt, dass man die Ports einfach so im Internet freigeben soll. Ist ja nur ein proprietäres Format, was niemand verstehen wird.

… wenn du der Hauptansprechpartner für etwas wirst, weil du dich mal 5 Minuten damit beschäftigt hast!

… wenn der Kunde einen Haufen Access-Datenbanken verwendet, die alle nacheinenander abgefragt werden müssen, da das Limit für die Größe einer einzelnen Datenbank erreicht wurde. Eine vernünftige Datenbank ist natürlich keine Alternative.

 

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