Kostenfreie AntiViren-Software für kommerzielle Zwecke

Nach einer längeren Recherche bzgl. einer absolut kostenfreien AntiViren-Software, die auch kommerziell eingesetzt werden darf, ist die Auswahl stark begrenzt. Da vermutlich auch andere Personen auf die Idee gekommen sind mal nach kostenlosen Alternativen zu suchen, schreibe ich hier über die Lösung die ich gefunden habe und derzeit teste, nachdem ich AntiVir aufgrund meines gescheiterten Windows 10-Updates deinstalliert habe.

 

Wen betrifft das?

Da heutzutage auch oft von zu Hause mal über den privaten PC gearbeitet wird, gerade wenn man in der IT arbeitet und abends mal noch etwas nachprüfen muss oder man z. B. ein Kleingewerbe betreibt und dazu natürlich den heimischen PC benutzt, so muss man dabei immer bedenken, dass die kostenlos angebotenen Privat-Versionen von z. B. AntiVir in diesem Fall schon nicht mehr genutzt werden dürfen!

 

Was gibt es überhaupt für Angebote?

Vor einiger Zeit ließ sich von Avast eine Suite namens Avast Business Free kostenfrei nutzen, die auch über eine Verwaltungsseite über mehrere Geräte hinweg zentral verwaltet werden konnte. Leider wurde dieses Angebot wieder eingestellt. Die auf einigen älteren Seiten genannten Programme wie NanoVirus, Immunet, etc. sind mittlerweile alle kommerzielle Projekte und dürfen nicht mehr ohne entsprechende Zahlungen im kommerziellen Umfeld genutzt werden. Laut FAQ dürfen die Produkte von Comodo auch kommerziell verwendet werden, von welchen ich aber aufgrund meiner persönlichen schlechten Erfahrung bzgl. der gescheiterten Deinstallation der Firewall abraten würde.

Das wirklich einzige andere noch kostenlos verwendbare AntiViren-Programm das ich finden konnte, ist die OpenSource-Lösung „ClamWin“. Auf dieser baut anscheinend auch die ehemals kostenlose Software Immunet auf. Der Nachteil an dieser OpenSource-Lösung ist ein fehlender Echtzeitschutz. Es werden also keine neu hinzukommenden oder veränderten Dateien geprüft, außer man startet manuell einen Suchlauf.  Auf vielen Seiten steht Windows 10 nicht in der Liste unterstützter Betriebssystem, aber da es bei mir bisher läuft, vermute ich, dies liegt daran dass diese Seiten nicht all zu oft aktualisiert werden.

Allerdings gibt es für dieses fehlende wichtige Feature eine eigene Software namens „ClamSentinel“. Es handelt sich zwar um eine eigenständige Software die zusätzlich neben ClamWin ausgeführt wird, die aber auf ClamWin aufsetzt und ohne dieses nicht funktioniert. Es müssen also beide Programme installiert werden. Die Programme haben ihre jeweils eigenen Icons in der Taskbar.

An sich macht ClamWin einen guten ersten Eindruck. Die Oberfläche erinnert einen zwar an Windows 98, aber bei einem AntiViren-Programm sollte einen die Farbgebung und die genutzten Icons eher nicht stören.

Wie bei den meisten Programmen gibt es die Möglichkeit ein Laufwerk oder einen Ordner auszusuchen, den man auf Viren überprüfen möchte:

Das Programm bietet einiges an Einstellungen und, was ich als sehr sehr wichtig empfinde, einen Scheduler für automatisch durchzuführende Updates der Virendefinitonen-Datenbank:

Ebenso können Viren-Suchläufe geplant werden, Verzeichnisse von dem Viren-Scan ausgeschlossen werden, etc.

Das Programm ClamSentinel lässt sich auch recht gut konfigurieren, beispielsweise können auch für die Echtzeitprüfung Laufwerke oder Ordner oder bestimmte Dateitypen ausgeschlossen werden. Man kann sich auch bei neu angeschlossenen Laufwerken benachrichtigen lassen, um eine Entscheidung zu treffen, ob diese überprüft werden sollen:

 

Wie sinnvoll ist es, eine solche kostenfreie Lösung zu verwenden?

Dies kommt natürlich auf die Beschaffenheit des Unternehmens und auch auf die finanziellen Mittel an. Grundsätzlich würde ich behaupten eine solche kostenlose AntiViren-Software wie ClamWin ist immer noch besser als gar keine bzw. nur die Windows-Defender-Lösung. Allerdings soll diese in der letzten Zeit auch einiges an Verbesserungen erfahren haben. Eine Kombination aus Windows Defender und ClamWin sollte vermutlich einen einigermaßen brauchbaren Schutz bieten. Natürlich muss man noch unterscheiden, ob es sich um ein Kleingewerbe oder eine Firma mit 1000 Mitarbeitern handelt. Denn bei mehr als 10 Arbeitsplätzen wird eine solche nicht zentral verwaltete Lösung zu einer Zeit fressenden Last, die letzt endlich vermutlich mehr Geld verbrennt als durch den Kauf einer zentral verwaltbaren Lösung aufgewendet werden müsste.

 

Ausschau

Zukünftig werde ich mich etwas mehr mit ClamWin befassen, da es dort noch die Möglichkeit geben soll die Aktualität der Virendefintionen durch alternative Quellen zu verbessern. Des weiteren würde es mich interessieren, ob es die Möglichkeit gibt selber etwas zu skripten um das Programm in einem größeren Netzwerk zu verteilen und zu verwalten und zu überprüfen. Etwas fertiges habe ich bisher nicht dafür gesehen.

Tobias Langner

Ich arbeite seit mehreren Jahren als IT-Administrator, bin ausgebildeter Fachinformatiker für Systemintegration und Studium-„Pausierer“ an der FernUni Hagen

Achtung: Für die Richtigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen, Skripte, etc. übernehme ich keine Gewähr. Deren Nutzung geschieht ausdrücklich auf eigene Gefahr!

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