Der schlechteste Karriere-Tipp aller Zeiten

Vor bereits einiger Zeit las ich das Buch „IT Survival Guide“ und stieß über einen Ratschlag bzgl. der Gehaltsvorstellung bei einem Jobwechsel. Laut dem Buch sollte man was die Gehaltsforderung angeht „sehr realistisch sein“ und sich im gleichen Rahmen bewegen, wie beim bisherigen Arbeitgeber und nicht mit wirklich mehr Geld rechnen. Was für ein Quatsch. Gerade ein höheres Gehalt ist, ausgenommen es läuft beim aktuellen Arbeitgeber nicht besonders, doch genau das, was man durch einen solchen Arbeitgeberwechsel erreichen möchte. Für 50 € netto mehr im Monat sollte es sich in der Regel nicht lohnen überhaupt eine Kündigung zu schreiben, außer man würde statt 100 km zukünftig nur noch 10 km zur Arbeit fahren.

Aber mit der Einstellung nicht viel mehr Gehalt zu verlangen, als man zuvor verdient hat, auch wenn man Aufgaben-technisch nicht viel mehr macht als zuvor, tut man sich selber keinen Gefallen und hält sich selber klein. Gerade wenn man die ersten Jahre nach Abschluss der Ausbildung oder dem ersten Job nach dem Studium im gleichen Unternehmen bleibt, ist man oft gewzwungen den Arbeitgeber zu wechseln um ein brauchbares Einkommen zu generieren. Gehaltssprünge um 20-50% des vorherigen Bruttogehalts sind oft keine Seltenheit, gerade dann, wenn man als Ex-Azubi bisher im Ausbildungsbetrieb geblieben ist.

Der Witz ist meistens, dass der ehemalige Ausbildungsbetrieb, um die offene Stelle wieder zu besetzen, jemanden einstellen muss, der sich mit der Infrastruktur oder was auch immer noch nicht auskennt und diesem sehr wahrscheinlich das Gehalt zahlen muss, was man dem Ex-Azubi nicht zahlen wollte.

Bei meiner Bewerbung für den aktuellen Job gab ich in der Bewerbung einen fünfstelligen Betrag mehr an, als ich ihn zuvor verdient habe. Auf die Frage ob ich bei der Gehaltsvorstellung auf der Tastatur abgerutscht sei, habe ich damit geantwortet, dass das laut meiner Recherche für einen solchen Job angemessen sei. Danach war das Gehalt kein Thema mehr und wurde, mit einem kleinen Abschlag während der Probezeit, so geschluckt. Wenn ich dem Ratschlag aus diesem Buch gefolgt wäre und nicht etwas „übertrieben“ hätte, würde ich jetzt 400 bis 500 € weniger im Monat verdienen, und zwar NETTO!

Viele Ratschläge in Karriere-Ratgebern sind leider etwas für die Tonne!

Tobias Langner

Ich arbeite seit mehreren Jahren als IT-Administrator, bin ausgebildeter Fachinformatiker für Systemintegration und Studium-„Pausierer“ an der FernUni Hagen

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