Grafikkarte für HP Z210 auswählen und einbauen

Bei Workstations und Fertig-PCs scheiden sich die Geister. Ab und an bereue ich auch, dass ich vor einigen Jahren gebrauchte Workstations gekauft habe. Leistungsmäßig waren und sind diese in der maximalen Ausbau stufe immer noch top, aber leider stößt man an einige Grenzen. Bei einem selbst gebauten Rechner kann man einfach das Netzteil tauschen um eine Grafikkarte einzubauen die wesentlich mehr Strom benötigt. Bei unseren Z210-Workstations von HP geht dies leider nicht, aufgrund des nicht wechselbaren Netzteils. Aber es ist trotzdem möglich eine modernen Grafikkarte zu verwenden!
 

Passender Slot?

Um die neue Grafikkarte wirklich ausnutzen zu können sollte das Mainboard über einen PCIe 16x-Anschluss verfügen (also den „langen“ PCI-Express-Anschluss). Bei dem Mainboard des HP Z210 ist dies der Fall. Zu bedenken ist, dass es sich „nur“ um einen PCI-Express v2.0-Anschluss handelt und nicht um den schnelleren v3.0! Dies verhindert aber nicht die Nutzung einer modernen Grafikkarte 😉

Man muss auch darauf achten, dass man den zweiten Slot unter dem PCIe 16x-Slot frei hält und nicht für irgendeine Zusatzkarte benötigt. Denn die meisten Karten werden diesen Slot aufgrund ihres Kühlers ebenfalls benötigen. Manchmal sogar 2,5 Slots. Die Länge der Grafikkarte sollte in dieser Workstation meistens unproblematisch sein, da das Gehäuseder CMT-Variante (Convertible Minitower) recht groß ist.

 

Stromversorgung ausreichend?

Das wichtigste Kriterium für die Auswahl der Grafikkarte ist aufgrund des nicht tauschbaren Netzteils bei dieser Workstation also die Stromversorgung. Hierbei gilt es darauf zu achten wieviel Leistung das Netzteil hat. Dies kann man auf dem Netzteil selber nachsehen und findet dort die Angabe 400 Watt.

Ein Blick in das Handbuch von HP bzw. bei einem anderen Mainboardhersteller zeigt einem auch direkt wieviel Strom über den PCIe-Steckplatz geliefert werden kann. Dies sind 75 Watt. Zusätzliche 75 Watt kann man sich über den 6 Pin-Adapter des Netzteils besorgen. Allerdings gilt dies nur für die CMT-Variante!

Das Handbuch bekommt man hier:
https://support.hp.com/de-de/product/hp-z210-convertible-minitower-workstation/5053199/manuals
(HP hat beim Download geschlampt, es fehlt die Dateiendung „.pdf“ um das Handbuch öffnen zu können)

Hier ist noch wichtig zu bedenken, dass die meisten Grafikkarten einen 8 Pin-Anschluss für die zusätzliche Versorgung über das Netzteil haben. Dies kann man mit Hilfe eines Adapters lösen (siehe Foto rechts, nachdem Einbau der Grafikkarte). Allerdings ist unter dauernder Volllast mit Sicherheit Vorsicht geboten, da das ganze laut einigen Userberichten mit den billigsten Adapterkabeln im schlimmsten Fall abfackeln kann.

Um auf Nummer sicher zu gehen würde ich deshalb auch keine Grafikkarte mit einer TDP wählen die dem absoluten lieferbaren Maximum über die Leitung und das Mainboard entspricht. In diesem Fall stünden kombiniert maximal 150 Watt für die Grafikkarte zur Verfügung. Dies würde ich einfach nicht ausreizen um auf der sicheren Seite zu bleiben.

Allerdings habe ich noch einige Infos gefunden, die mich doch etwas nachdenklich stimmen:

Die erste Version der Zusatzstecker hat 6 Pins und kann bis zu 75 Watt liefern, wodurch die dem Gerät maximal bereitgestellte Leistung auf 150 Watt steigt …

In der Spezifikation von PCI Express 2.0 wurde ein neuer Zusatzstecker mit 8 Pins definiert, der maximal 150 Watt führen kann.

Laut Wikipedia ist der 6 Pin-Stecker für 75 Watt und der 8 Pin-Stecker für 150 Watt. Dies scheint ja auch korrekt zu sein. Allerdings macht mich folgende Aussage etwas stutzig:

Wenn ein 6-Pin-Stecker in eine 8-Pin-Buchse gesteckt wird, merkt die Karte am fehlenden Sense1, dass sie über die Kabelverbindung nur 75 W beziehen darf.

Dies könnte im Umkehrschluss bedeuten, dass die Karte sobald ein 8 Pin-Stecker eingesteckt ist pauschal einfach bis zu 150 Watt über diese Leitung ziehen würde. Ich bin davon ausgegangen, dass die ersten 75 Watt immer vom Mainboard kommen und die zusätzlichen bis zu 75 Watt über die Extra-Leitung. Ob dies allerdings wirklich so ist, konnte ich nicht wirklich herausfinden. Denn in einem Szenario wo die Grafikkarte bspw. nur 20 Watt über das Mainboard und dann weitere 100 Watt über das Netzteil zieht, würde die Leitung eigentlich um 25 Watt „überlasten“.

Allerdings blieb keine Wahl, denn ein Einstecken des 6 Pin-Adapters und auch das komplette Weglassen der zusätzlichen Stromversorgung führt zu folgendem Ergebnis wenn man den Rechner einschaltet:

Entgegen der Info von Wikipedia scheint es zumindest bei der verwendeten Grafikkarte nicht der Fall zu sein, dass diese dann mit dem 6 Pin-Adapter arbeitet und dies registriert und nur bis zu 75 Watt zieht.

Wer auf die Idee kommt eine zweite Grafikkarte einzubauen (wofür auch immer) sollte davon Abstand nehmen. Hier ist dann im anderen 16x-Slot nur noch ein Stromverbrauch von 25 Watt vorgesehen und der maximale Wert von 150 Watt darf natürlich trotzdem nicht überschritten werden.

 

Persönliche Empfehlung

Wir haben uns für eine „Nvidia GeForce 1660 GTX Super“ entschieden, die bei uns für das Video-Encoding in Adobe Premiere genutzt werden soll. Hierbei haben wir ein Modell gewählt, dass über den schnelleren GDDR6-Speicher verfügt, da sich auch preislich dadurch nicht viel getan hat. Die Karte hat eine TDP von 120 Watt und liegt somit auch 20% unter der maximalen Last die man über Mainboard und Adapter zusammengerechnet verursachen darf. Stromtechnisch sollte hier also alles in bester Ordnung sein.

Wer mehr Leistung möchte kann natürlich auch eine andere Karte nehmen, aber sollte dabei stets den Stromvebrauch im Blick halten. die Ti-Variante der 1660 GTX zieht aber laut den Spezifikationen auch nicht mehr Watt, weshalb man hier wohl ruhig zugreifen kann.

 

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