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Erfahrungsbericht zu Orbi von Netgear

In den letzten Tagen habe ich mich mit dem Orbi-System von Netgear beschäftigt. Leider kann ich das System trotz des guten Datendurchsatzes für den vermeintlich „anspruchsvollen“ Anwender nicht empfehlen, da ihm trotz des sehr üppigen Preises Funktionen fehlen, welche selbst ein „20 €-Access Point“ von TP-Link hat… An sich ist die Idee für das System ganz ok, da es eine Art Mesh-Netzwerk mit einem Router und mehreren Satelluten aufbaut. Das ganze soll recht einfach funktionieren und tatsächlich ist es auch keine große Kunst die Satelliten mit dem Router zu synchronisieren. Recht futuristisch sehen die Geräte auch aus und sie leuchten ganz nett.

 

Router-Einrichtung

Der Spaß beginnt allerdings schon bei der Einrichtung. Diese soll kinderleicht auch vom Smartphone gelingen. Um die App zu benutzen braucht man aber natürlich einen Account bei Netgear. Einen Account! Um einen lokal betriebenen Router zu konfigurieren! Nee danke, direkt wieder weg mit der App.

Dann also doch klassisch über WLAN oder LAN auf die Konfigurationssseite aufschalten und die Einstellungen dort vornehmen.

Tja und da hakt es bei den Konfigurationsmöglichkeiten für den Preis aber ganz gewaltig. Das System sollte als Access Point genutzt werden, der hinter einem Router/Firewall betrieben wird und das auch noch in einem anderen als dem normalen internen Netzwerk, was für die geschilderte Problematik aber nichts zur Sache tut.

Wenn man das gute Gerät in den AP-Modus schaltet, dann wird es mit den Optionen plötzlich ziemlich mau. So gut wie alles wird dann ausgegraut. Man kann dann auch keine MAC-Filterung mehr vornehmen! An einem Access Point!!!

Wer denkt sich denn sowas aus? Die Meinung von Netgear scheint laut Recherche zu sein, dass die Filterung im AP-Modus dann von dem Haupt-Router, hinter den man den Access Point geschaltet hat, übernommen wird. Wie witzlos ist das denn bitte? Wenn man nur sein WLAN absichern wollte, dann ist das einfach nur Quatsch irgendwelche Sachen am anderen Router einzustellen, was auch teilweise dann gar nicht möglich ist oder in unnötig viel Arbeit endet, da man dort dann auch alle Mac-Adressen freischalten müsste, die sich per Kabel verbinden dürfen. Eine „Kindersicherung“ des WLANs ist, wie es einige User bemängeln, dann auch nicht mehr möglich.

 

Workaround

Die ganzen Optionen stehen also nur im Router-Modus zur Verfügung. Also habe ich folgenden Workaround ausprobiert, der an sich auch funktioniert, um den Orbi-Router als Access Point mit den ausgegrauten Funktionen zu verwenden:

  • in den Router-Modus umschalten und in dem Assistenten der dann meine ich kommt folgende Einstellungen vornehmen:
    • als Internet-Zugangsdaten irgendeinen Quatsch eintragen, der Router/Access-Point selber braucht ja nicht unbedingt Internetzugang (außer für ein Firmware-Update vielleicht)
    • unter den Lan-Einstellungen eine freie IP-Adresse aus dem Netzwerk in welchem der Orbi integriert werden soll fest eintragen (wenn es hier möglich gewesen ist auch schon den DHCP deaktivieren)

 

  • das Lan-Kabel raus aus dem WAN-Port (ja trotz Router-Modus) und in einen der normalen Ethernet-Ports stecken
  • den DHCP des Orbi deaktivieren, den übernimmt dann der Haupt-Router (oder man vergibt manuell IP-Adressen, wenn es sich um einen Sonderfall und kein einfaches Heimnetz handelt)

Durch diese Konfiguration war der Orbi-Router trotz Router-Modus in dem internen Netzwerk, ohne dass er ein eigenes Netzwerk aufspannt und das bestehende Netzwerk nur als WAN-Zugang benutzt, sodass man nun auch die anderen Optionen, wie sie wirklich auch ein 20 € Access-Point von TP-Link ohne Herumgefrickel bietet, nutzen kann.

Unter der Startseite der erweiterten Konfiguration sollte es danach so aussehen:

 

Sicherheit

Aber leider hat sich das Gerät dann für mich wirklich disqualifiziert. Denn trotz vorgenommener Mac-Sperren, konnte ich mich auch nach längerer Zeit immer noch mit den gesperrten Testgeräten mit dem WLAN verbinden! Zum Gegentest habe ich gerade mal mein Handy in der FritzBox gesperrt und es hat binnen weniger Sekunden die Verbindung zum WLAN verloren und es lässt sich auch nicht mehr verbinden. Ich denke nicht, dass dies irgendetwas mit meinem etwas speziellen Setup zu tun haben kann, denn eine Mac-Sperre sollte die Geräte defintiv aussperren! Mehr Möglichkeiten außer die Mac-Adresse zu sperren und allgemeine Sperrzeiten, in diesem Fall zu jeder Tages- und Nachtzeit, zu definieren bietet Orbi auch nciht, sodass ich nicht davon ausgehe, dass ich etwas falsch konfiguriert hatte.

 

Satelliten

Schade ist auch, dass sich auf den Satelliten keinerlei Einstellungen vornehmen lassen. Diese ziehen sich einfach eine IP vom DHCP im Netzwerk und das war es dann. Wenn man komplett ohne DHCP arbeitet wird dieses Gerät vermutlich gar nicht funktionieren, da man nicht einmal die IP manuell vergeben kann! Da ich den Orbi-Router und die Satelliten in einem anderen Netzsegment, für welches es keinen DHCP gibt und auch nicht geben soll, verwenden wollte, hat es sich immer eine IP-Adresse aus dem falschen IP-Bereich gezogen, ohne Chance darauf Einfluss zu nehmen.

 

Fazit

Aufgrund der beschriebenen Probleme ist das Gerät leider für meine Zwecke nicht zu gebrauchen. Wenn einfach alles manuell konfigurierbar wäre, dann wäre es eigentlich ein schönes Gerät. Die Mac-Sperren müssten natürlich auch zuverlässig funktionieren. So ist das ein No-Go. Dass die beschnittenen Funktionen auch nicht per Firmware wieder freigeschaltet/nachgerüstet werden sollen ist schon enttäuschend. Schade.

 

Tobias Langner

Tobias Langner

Ich arbeite seit mehreren Jahren als Software-Release-Manager, zuvor als IT-Administrator, bin ausgebildeter Fachinformatiker für Systemintegration und Studium-"Pausierer" an der FernUni Hagen. Achtung: Für die Richtigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen, Skripte, etc. übernehme ich keine Gewähr. Deren Nutzung geschieht ausdrücklich auf eigene Gefahr!

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