Ausbildung als Fachinformatiker beginnen? – Ein Rückblick

Nach rund 10 Jahren auf dem IT-Arbeitsmarkt, okay eigentlich bald erst 9,5 Jahren, musste ich mich nochmal an die Zeit vor der Ausbildung zurückerinnern und insbesondere daran, wie „schleppend“ die Suche eines geeigneten Ausbildungsplatzes gelaufen ist. Deshalb folgt hier eine Zusammenfassung der Ärgernisse, die ich in diesem Zeitraum erlebt habe oder von denen mir von anderen berichtet wurde. Auch wenn ich selber nun nicht mehr nach Ausbildungsstellen Ausschau gehalten habe, gibt es denke ich noch genau die gleichen Probleme und Dinge, von denen man als Schüler noch gar keine Vorstellung hat.

 

Wonach hatte ich gesucht?

Grundsätzlich war ich auf der Suche nach Ausbildungsplätzen als „Fachinformatiker Systemintegration“ oder als Mediengestalter, da ich auch schon immer gerne kreativ am Computer gearbeitet habe. Aus heutiger Sicht wäre vermutlich der Anwendungsentwickler eine bessere Wahl gewesen. Aber grundsätzlich, zumindest laut Lehrplänen und IHK-Vorgabe, handelt es sich bei FiSi und beim FiAE fast um die gleiche Ausbildung. Das ist natürlich Quatsch, da kaum ein FiSi- oder FiAE-Azubi einige Monate in einer Personalabteilung verbringt oder anderen berufsfremden Kram macht, der eigentlich vorgegeben ist. Letzten Endes wird der FiSi sich um Hardware- und Softwareinstallationen und die Verwaltung eines Netzwerks kümmern, wenn er Glück hat, und dabei hoffentlich nicht das Netzwerk eines großen Unternehmens lahm legen. Der FiAE wird irgendwelche noch nicht ganz so schweren Anforderungen in einer mittelmäßigen Software programmieren oder es versuchen und wenn es gut geht keinen Stillstand durch einen nicht bedachten Fall im Code auslösen. An dieser Stelle würde ich gerne schreiben, dass das Spaß war, aber das ist es nicht 😀

 

Schule

Wir haben zwar im 9. oder 10. Schuljahr, zumindest glaube ich dies, mal Bewerbungen geschrieben, aber das Wissen ist erstens sowieso veraltet wenn man sich in der 12. oder 13. Klasse bewirbt und zweitens hat man es zudem auch vergessen. Deshalb kann man die Schule als „aktive“ Hilfe bei der Bewerbungsphase eigentlich komplett ausklammern. Ebenso wird man auch nicht auf Bewerbungsgespräche vorbereitet. Naja, Gedichtsanalysen und das endoplasmatische Retikulum sind halt wichtiger. Ebenso beißen sich eventuell Klausurtermine mit irgendwelchen Vorauswahl-Terminen bei potenziellen Ausbildungsbetrieben und man kann keines von beiden verschieben. Tja, was wohl wichtiger ist, kann man sich denken, aber da kann man dann leider nicht hin.

 

Bewerbungen

Ich habe noch einen Archiv-Ordner gefunden, in dem ungefähr 40 Bewerbungsschreiben für die Ausbildung liegen. Ich glaube, dass da noch einige fehlen, sodass ich mich wohl im Großen und Ganzen bei ca. 50 Unternehmen beworben habe. Wenn ich mir die Unterlagen ansehe, dann frage ich mich wie ich damit überhaupt einen Ausbildungsplatz finden konnte. Sowohl inhaltlich wie auch optisch sind die Unterlagen eher so la la. Vermutlich waren oder sind die Ansprüche an Auszubildende nicht so hoch gewesen. Denn eingeladen wurde ich, wenn ich mich recht erinnere, bei  7 oder 8 Unternehmen. Bei der Anzahl an Bewerbungen ist der Schnitt denke ich nicht rekordverdächtig, aber auch nicht ganz so mies. Immerhin habe ich davon gelesen, dass viele Leute bei 100 Bewerbungen nicht einmal eingeladen worden sind. Oder ich hatte Glück und die übrigen Bewerbungen waren einfach noch viel grottiger.

Nur damit man weiß wovon ich spreche, habe ich hier mal meinen damaligen Bewerbungstext herausgesucht:

Sehr geehrter …,

auf [Name der Plattform] habe ich erfahren, dass Sie eine Ausbildungsstelle zum Fachinformatiker in Fachrichtung Systemintegration vergeben und möchte mich um diese Stelle bewerben. Zuletzt besuchte ich die gymnasiale Oberstufe der [Schulname] und habe das Abitur bestanden.

Für den Beruf des Fachinformatikers in Fachrichtung Systemintegration habe ich mich entschieden, weil ich mich in meiner Freizeit sehr viel mit Computern beschäftige. Im Umgang mit dem Betriebssystem Windows konnte ich, angefangen bei Windows 98, im Laufe der Zeit viele Erfahrungen sammeln. Neben den alltäglichen Aufgaben, wie der Nutzung von Microsoft Office, beschäftige ich mich unter anderem mit den Produkten der Firma Adobe, z.B. mit Photoshop und Premiere. Technischen Neuerungen stehe ich offen gegenüber.

Während eines Schulpraktikums bei der Firma [Firmenname] konnte ich Erfahrungen in verschiedenen Bereichen sammeln. Dort durfte ich selbstständig Computer zusammenbauen und habe Einblicke in ein Firmennetzwerk und dessen Betreuung bekommen. Auch in meinem Bekanntenkreis konnte ich über die Jahre meine Kenntnisse erweitern, da ich oft bei Problemen mit Computern helfe und auch gerne beim Einrichten von Computern oder Netzwerken und anderen Dingen behilflich bin.

Außerdem denke ich, dass mir Ihr Unternehmen eine fundierte Ausbildung und eine gute Perspektive für die Zukunft bietet.

Für ein persönliches Gespräch stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung und würde mich über eine Einladung zu diesem sehr freuen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

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Vorauswahl-Termine

Bei zwei Unternehmen war ich bei einem Vorauswahl-Termin zu Besuch. Hier saß man mit einer ganzen Reihe an Bewerbern zusammen und bei beiden Terminen lief das grundverscheiden ab. Bei einem mittelständischen Unternehmen saßen nicht nur die Personen, die sich für eine IT-Ausbildung interessierten, sondern auch die Interessenten für Bürokaufleute etc. zusammen in einem großen Raum. Jeder bekam eine Fragemappe, in welcher er Fragen beantworten sollte. Was ich etwas mies fand: Es waren eigentlich nur Fragen zur Unternehmensgeschichte und zum angeblichen „Allgemeinwissen“. Ich glaube es war keine IT-relevante Frage gestellt worden. An sich lief es aber wohl ganz gut, da ich im Vorfeld zum Glück mehrfach die Webseite des Unternehmens durchgelesen hatte. Bei anderen sah es da wohl nicht so gut aus, wie sich in den Gesprächen heraus stellte. Da ich aber zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, kann ich den Test nicht viel schlechter als die anderen verhauen haben.

Ein zweiter Vorauswahl-Termin fand bei der Telekom in Krefeld statt. Dieser Termin ging einen halben Tag lang. Man sollte im Vorfeld eine kurze Präsentation über sich selber vorbereiten, die dann in einer kleinen Runde vorgetragen werden musste. Ich hatte ein entsprechendes Plakat vorbereitet. Was genau die Präsentation alles beinhaltete weiß ich nicht mehr. Ich weiß nur noch, dass der Tag eine ziemliche Zwitverschwendung gewesen ist. Neben der Präsentation wurde auch ein Test durchgeführt, bei dem man IT-Fragen beantworten wollte. Es war wohl nichts wirklich schwieriges, außer einer for-Schleife, bei der man das Endergebnis angeben oder aus Multiple-Choice-Antworten auswählen sollte. Da ich wirklich kaum Ahnung vom Programmieren hatte, denke ich, dass ich die Antwort auf diese Frage versaut habe. Das machte aber nichts. Nach dieser Runde wurden auch direkt die Tests ausgewertet und Leute nach Hause geschickt. Wie genau die Reihenfolge gewesen ist weiß ich leider nicht mehr, aber ich glaube danach sollte jeder der übrigen Teilnehmer seine Präsentation halten und danach gab es eine recht offene Fragerunde, bei der man auf IT-relevante Fragen antworten sollte. Dabei ging es z. B. um Übertragunsraten, Router, IP-Adressen, etc.. Recht unbequem wurde es, als es um Telekom-Produkte ging und nachgebohrt wurde, warum man denn einen Vertrag bei einem anderen Anbieter hat, wenn man sich doch dort bewirbt. Naja, dass ein Schüler im Normalfall im Monat keine 30 € für einen Standardvertrag ausgibt sollte sich von selbst erklären. Dass einige das auch so gesagt haben kam glaube ich nicht so gut an 😀

Die Krönung war allerdings folgende Mitteilung irgendwann mitten während einer der Phasen. Dort wurde uns verbliebenen Teilnehmern verkündet, dass es im laufenden Jahr gar keine Ausbildungsstelle mehr geben wird. Stattdessen würde man, bei getroffener Auswahl, höchstens in einer Warteliste für das Folgejahr eingetragen werden. Da fühlte man sich schon ziemlich hart verarscht. Ich brauchte eine Ausbildungsstelle nach Ende des Abiturs und nicht erst 12 bis 18 Monate später!

 

Vorstellungsgespräche

Die Vorstellungsgespräche liefen sehr unterschiedlich ab. Wenn ich mich recht erinnere gab es in zwei oder drei Fällen noch ähnliche Tests wie bei einem Vorauswahl-Termin und direkt im Anschluss das eigentliche Gespräch mit dem Geschäftsführer oder einem Ausbildungsleiter. Bei einem Termin musste ich glaube ich sogar einen zuvor zu Hause erledigten Test mit wirklich einfachen Fragen mitbringen. In einem Fall gab es sogar eine praktische Übung. Dort wurde ein Windows-Computer mit ein paar Fehlern präpariert. Irgendeine Anwendung startete nicht mehr automatisch beim Windows-Start mit und irgendein Treiber wurde deinstalliert und noch irgendeine andere Kleinigkeit wurde verstellt. Das fand ich eigentlich ganz cool, auch wenn es mich natürlich überraschte bei diesem Termin plötzlich hinter dem Bildschirm zu sitzen. In einem Unternehmen mit einem Betriebsrat kann es auch passieren, dass man sich auch vor diesem wieder findet, da dieser sich eventuell auch ein Bild von einem machen will.

Rückwirkend gesehen war ich auf einige Termine wirklich katastrophal vorbereitet. Auf einige Fragen wusste ich keine brauchbare Antwort und manchmal war ich auch nicht so gut über das Unternehmen informiert, wie man es vielleicht sein sollte. Wobei das immer so eine Sache ist, denn kaum jemand interessiert sich hundertprozentig dafür was der Arbeitgeber macht. Wenn ich das Netzwerk administriere und mich um die Anwendungen und Anwender kümmern soll ist es letzt endlich auch egal ob das Unternehmen Socken herstellt oder Müll verlädt. Naja daraus lernt man, dass man sich ein bisschen über die Branche informieren sollte.

Ebenso sollte man sich informieren zu welchem großen Konzern das Unternehmen vielleicht gehört und wie hoch die Umsätze sind. Sonst steht man bei solchen Gesprächsthemen ziemlich im Regen und man muss sich anhören, warum man denn so etwas nicht recherchiert hat und ob man kein Interesse daran hat zu wissen, wie viel Geld der zukünftige Arbeitgeber erwirtschaftet. Auch wenn ich an dieser Stelle etwa 90% der Arbeitnehmer unterstellen würde, dass diesen genau diese Dinge völlig egal sind. Einige wissen noch nicht einmal ob sie für eine GmbH, eine OHG, eine AG oder für sonst was für eine Firmierung tätig sind. Und das, obwohl es im Firmennamen steht.

Obwohl ich eigentlich wenigstens eine Praktikumsstelle für ein Jahr gefunden hatte, die leider nur als Notnagel dienen sollte, bin ich zum Glück noch zu einem weiteren Vorstellungsgespräch gefahren. Das Gespräch mit dem Geschäftsführer dauerte vielleicht 5 Minuten und ich hatte die Stelle. Im Prinzip bestand es aus ein paar Fragen zu meinen Hobbys und der alles entscheidenden Frage, ob ich die Stelle haben möchte. Das war es. Auf meine Nachfragen bzgl. irgendwelcher Eignungstests, die ich von den anderen Terminen kenne, kam nur die Antwort, dass ich das ja alles in der Ausbildung lernen soll. Da war ich baff und so schnell kann es dann manchmal gehen. Das war auch gut, denn ich glaube die Ausbildung fing bereits ein oder zwei Monate danach an 😀

 

Fazit

Aufgrund der Vielzahl an verschiedenen Bewerbungssituationen die ich erlebt habe, denke ich nicht, dass es die „perfekte“ Vorbereitung gibt. Man sollte sich aber auf jeden Fall mit dem Unternehmen und der Branche etwas befassen, grundsätzliche Einsteiger-Kenntnisse haben (die Jahre lange Administration eines Heimnetzwerks hilft einem hier schon mal für die nötigen Basics)  und sich Einstellungstests für ITler mal online ansehen. Ansonsten muss man vielleicht mal ein Gespräch mit einer möglichst neutralen Person üben, die einem in einer ähnlich unangenehmen Situation wie einem echten Bewerbungsgespräch Fragen zu einer Firma stellt, zu der man sich vorher belesen hat. Und man sollte sich im Vorfeld Antworten auf Standardfragen, z. B. wieso man sich für gerade diesen Ausbildungsberuf oder für dieses Unternehmen interessiert, zurecht legen. Das kann schon ätzend genug sein, wenn man alle Zeit der Welt hat. Noch ätzender ist es allerdings, wenn einem diese Frage getellt wird und man sich noch nie Gedanken dazu gemacht hat. Auswendig lernen sollte man so etwas aber auch nicht, da man dann „unnatürlich“ wirkt, wenn man seine Standardantworten aufsagt. Es ist schwer die richtige Mischung zu finden.

 

Nicht zu sehr ärgern

Manchmal ärgert man sich ja auch, dass es bei einem bestimmten Unternehmen nicht geklappt hat. So hatte ich mich eigentlich bei einem Versicherungsunternehmen in nicht so großer Entfernung beworben, wo ich deshalb auch gerne die Ausbildung gemacht hätte. Tja, es war die Tochterfirma einer griechischen Versicherung und kurz nach meinem Ausbildungsbeginn wurde dieses Unternehmen „endabgewickelt“, da es wohl heftige Probleme gab und irgendwelche Lizenzen für die Ausgabe von Sparbriefen aufgrund von Betrug, Bilanzfälschung und dergleichen entzogen wurden etc.. Die Nachricht las ich allerdings erst durch Zufall ein paar Jahre später. Das Unternehmen ist wohl seit 2011 im Handelsregister gelöscht. Ein Glück, dass das mit der Ausbildung nicht geklappt hat.

 

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