Warum man nichts kostenlos machen sollte

Vor einiger Zeit habe ich ein älteres gerootetes Smartphone mit aufgespieltem Custom Rom bei eBay Kleinanzeigen angeboten. Auf diese Anzeige hat sich dann eine Frau gemeldet und eine Anfrage mit einem relativ dreisten Hintergedanken gestellt.

An sich war die Anfrage erst einmal ok. Die Dame hat gefragt, ob ich ihr Smartphone auch rooten und dort ein anderes Custom Rom drauf machen könnte. Mir war anhand der Formulierung allerdings schon klar, worauf das hinausläuft: Am besten kostenlos, versteht sich.

Ich habe ihr dann geschrieben, dass es je nach Modell kein Problem wäre und habe ihr einfach mal einen Preis so zwischen 30 und 50 € genannt, wenn ich mich recht erinnere. Darauf kam dann natürlich irgendeine plumpe Antwort, dass das ja schon ganz schön viel wäre für „so etwas“. Naja, ich weiß nicht mehr was ich geantwortet habe, aber am besten wäre wohl so etwas gewesen: „Wenn das so einfach und schnell erledigt ist, dass der Preis dafür zu hoch ist, dann machen Sie es doch selber!“

Klar übersteigt der Preis vielleicht sogar den Wert des alten Smartphones, aber das ist ja kein Grund, dass Sie für diese angeblich „einfache Arbeit“ nur irgendwie 10 € zahlen müsste. Natürlich wäre es nicht so aufwendig gewesen das Handy zu rooten, wenn man dies schon desöfteren gemacht hat. Aber die ganzen Stunden, die ich mich im Vorfeld mal mit dem Rooten und dem Aufspielen von Custom Roms beschäftigt habe, hätte die Vergütung nicht „abgedeckt“. Gut, ich hab mir das nicht dafür angeeignet, aber trotzdem muss man sich seine „Expertise“ auch bezahlen lassen.

Wenn ich einen Architekten eine Stunde lang Eimer mit Bauschutt durch die Gegend tragen lasse, dann wird er dafür mit Sicherheit nicht weniger berechnen, als würde er stattdessen in der gleichen Zeit an einem Bauplan zeichnen. Bei einem Anwalt kostet schon das Formulieren eines einfachen Briefes, der nicht anders als eine Vorlage aus dem Netz klingt, Summen bei denen einem schlecht wird. Als ob diese Briefe alle immer neu formuliert werden. Man lässt sich auch in diesen Fällen die Expertise bezahlen … und das meist sehr gut.

 

Auch Überstunden in einem normalen Angestelltenverhältnis sollte man nicht kostenlos machen bzw. zumindest in Freizeit umtauschen. Denn was hat man sonst davon? Die Zeit könnte man auch sinnvoller verbringen, z. B. mit einer eigenen Nebentätigkeit, anstatt zu arbeiten und dafür weder Gehalt noch Einzahlungen in die Rentenkasse oder der gleichen zu erhalten. Von einem „Danke“ kann man sich jetzt und auch im Alter nichts kaufen.

Das einzige wo es sich lohnen kann etwas kostenlos zu machen ist, wenn dadurch z. B. ein größerer Auftrag zustande kommt, der den Verzicht kompensiert oder wenn man Rezensionen bzw. Kunden „sammelt“ um ein Portfolio aufzubauen. Ansonsten ist das eigentlich pure Zeitverschwendung…

 

Tobias Langner

Tobias Langner

Ich arbeite seit mehreren Jahren als Software-Release-Manager, zuvor als IT-Administrator, bin ausgebildeter Fachinformatiker für Systemintegration und Studium-"Pausierer" an der FernUni Hagen. Achtung: Für die Richtigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen, Skripte, etc. übernehme ich keine Gewähr. Deren Nutzung geschieht ausdrücklich auf eigene Gefahr!

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